Kurzgeschichten




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Sie

Die ganze Nacht schon ist sie auf der Flucht vor ihm und 
sie weiß,  wenn sie nicht bald einen sicheren Unterschlupf 
findet, wird er  gewonnen haben. Der Friedhof ist nicht sich
er, er weiß, dass sie sich  dorthin flüchten wird. Aber wohin
sonst? Wie hat er sie bloß gefunden. 
Zweihundertfünfundachzig Jahre hat sie ungestört leben 
können, und  ausgerechnet in dieser Nacht ist er ihr auf die
Schliche gekommen.  Dabei hatte sie doch immer darauf 
geachtet, keine Spuren zu  hinterlassen. In den Wald? 
„Nein, der ist nicht sicher genug, da werde  ich nicht 
überleben können.“ Sie rennt weiter, am Wald vorbei in  
Richtung Dorf. Er ist ihr auf der Fährte, sie kann ihn 
riechen. Er hat  einen unverkennbaren Geruch. Und sie 
hasst diesen Geruch. Nur weg,  diesen Geruch endlich 
loswerden! Wenn sie nicht schnell einen  Unterschlupf 
findet, wird sie sterben, das weiß sie ganz genau. Nur  
wohin soll sie fliehen. Findet sie im Dorf vielleicht ein 
leer stehendes  Haus? Er ist unerbitterlich und der 
beißende Geruch kommt immer näher, der Geruch von 
Knoblauch. Sie wird schwächer, sie kann diesen Geruch  
noch weniger ausstehen als den Geruch ihres Verfolgers.
Der Geruch  macht sie schwach. Sie versucht gegen 
die Schwäche anzukämpfen und  weiterzulaufen.    
Einfach nur weiter, weg von diesem fürchterlichen  
Geruch. Egal wohin, einfach nur weg! Sie hat keine 
Kraft mehr. Aber  sie schleppt sich weiter. Ihr Verfolger 
kommt immer näher und mit ihm  auch der beißende 
Geruch. Sie kann sich nicht mehr auf den Beinen  halten.
Vom Geruch zu Boden gezogen, bricht sie zusammen. 
Sie bemerkt,  wie er sich über sie beugt, ihr Augen kann 
sie nicht mehr öffnen, der  Geruch ist zu stark und sie 
zu schwach. Sie weiß: in einigen Sekunden  wird sie nur 
noch ein Häufchen Staub sein. Ein schmerzerfüllter 
Schrei  erfüllt die Nacht. Sie fühlt ein starkes Brennen 
auf ihrer Stirn.  Kann er es nicht einfach schnell machen? 
Muss er sie jetzt auch noch  quälen? Im selben Moment 
wird ihr schwarz vor Augen. 
Sil am 9.4.09 19:41


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Er

Er erhebt sich wieder, ein dünnes Lächeln auf den 
schmalen Lippen. Die Spuren sind noch frisch. Er 
beschleunigt seinen Schritt, laufen würde nichts bringen, 
er würde ihr nur verraten wo er ist. Nicht,
dass er nicht genau wüsste, dass sie weiß, dass er hinter 
ihr her ist. Schließlich hetzt er sie schon seit 5 Tagen 
ununterbrochen. Er öffnet noch einmal seine Flasche und 
kippt etwas von dem widerlichen, schwarzen Gebräu in 
seinen Rachen. Es lässt ihn altern, seine Haut langsam 
zerfallen, aber es hält ihn auf den Beinen. Jeden 
weiteren Schritt. Seine Diener können es sich vielleicht 
erlauben zu schlafen, er aber nicht, nicht wenn er sie 
erwischen will. Dieses Monstrum. Dann steigt dieser 
wundervolle Geruch in seine Nase. Knoblauch. Sein 
eigener ist fest verschlossen in seiner Tasche, aber 
seine Diener haben alle Dörfer in der Nähe gut damit 
ausgehangen. Sie muss es längst bemerkt haben. Bald 
ist es vorbei. Er bleibt stehen. Da war etwas, ein 
Geräusch. Wie ein schweres Atmen. Er lauscht. Dann ein
dumpfer Aufschlag. Er grinst Schadenfroh, zeigt seine 
geschwärzten Zähne und rennt los. Da liegt sie, im 
fahlen Mondlicht. Krümmt sich unter Schmerzen auf dem 
Boden. Er bleibt kurz stehen. Gleich ist es vorbei. Ein 
weiteres Ungetüm vernichtet. Sein Herz pumpt wie wild. 
Es ist jedes mal gleich, wenn er so kurz vor dem Ziel 
steht. Seine Hand sucht das Kreuz um seinen Hals. Er 
nähert sich ganz langsam. Sie spürt es, er weiß es. 
Plötzlich geht alles ganz schnell. Er reißt sie herum und 
presst sein Kreuz auf ihre Stirn. Sie kreischt. Dämonisch.
Er zieht den Pflock samt Hammer aus seiner Tasche. 
Gleich ist alles vorbei. Endlich.
Kosh am 9.4.09 19:34





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